Arthur Edler von Schwertführer (1891-1967) war deutsch-österreichischer Fotograf und Kameramann. Am 3. Februar 1891 wurde er als Sohn eines Generalmajors in Leoben in der Steiermark geboren und entwickelte frühzeitig großes Interesse für die Fliegerei und Fotografie. Er schlug die Offizierslaufbahn ein und wurde im Ersten Weltkrieg im Rang eines Oberleutnants als Pilot eines Doppeldeckers für Erkundungsflüge und im militärischen Luftbildwesen eingesetzt. Nach Kriegsende 1918 nahm er seinen Abschied aus dem Armeedienst. Nach Aufenthalten in Davos und auf Capri, wo er ein Lungenleiden auskurierte, folgte er dem österreichischen Kaiser Karl (Kaiser Karl von Habsburg-Lothringen) im Mai 1919 in das Schweizer Exil, nach Prangins am Genfer See, wo er sechs Monate als dessen Adjutant und Sekretär tätig war. Aus dieser Zeit stammen zahlreiche Fotografien, die er von der Kaiserfamilie machte. 1919 erhielt Arthur von Schwertführer in Davos seinen ersten Fotografiepreis - den 2. Preis für Sportfotografie. 1920 verließ er das kaiserliche Exil und ging entgültig nach Bayern.

Zwischen 1921 und 1923 studierte Arthur von Schwertführer an der Höheren Fachschule für Fotografie in München Fototechnik mit Schwerpunkt Fotochemie, anschließend folgte eine Ausbildung zum Portraitfotografen und Kinotechniker. 1923 absolvierte er die Bayerische Staatslehranstalt für Fotografie mit der Note "sehr gut". Zu Beginn der 1920er Jahre arbeitete er in einem Filmkopierwerk und drehte eine seiner ersten Arbeiten - den Dokumentarfilm "Auf den Spuren der Westgoten", der ihn bis nach Spanien führte.
Als Kameramann arbeitete Arthur von Schwertführer für bekannte Filmgesellschaften; Berlin, Paris, London und Hollywood waren Stationen in seinem Leben. Er arbeitete für zahlreiche namhafte Regisseure u.a. Géza von Bolváry (1897-1961), Kurt Bernhardt (1899-1981), Jaap Speyer (1891-1952) und Leni Riefenstahl (1902-2003). Der berühmte österreichisch-amerikanische Regisseur und mehrfache Oskar-Preisträger Fred Zinnemann (1907-1997), u.a. "High Noon", "Geschichte einer Nonne" und "Der Schakal", den er aus der Wiener- und der Berliner Zeit kannte, war ein enger Freund und Schüler des Arthur von Schwertführer und ermöglichte ihm später viele Kontakte. Aber auch andere namhafte Bildkünstler wie der bekannte schweizerisch-jüdische Fotograf und Kameramann Helmar Lerski aka Israel Schmuklerski (1871-1956), u.a. "Köpfe des Alltags", zählten zu seinem Umfeld. Mit beiden - Zinneman und Lerski, drehte Arthur von Schwertführer 1929 das Stummfilmdrama "Sprengbagger 1010" unter der Regie von Carl-Ludwig Achaz-Duisberg (1889-1958). Der Film gilt als der letzte Stummfilm der Welt. Danach schickte man Arthur von Schwertführer für wenige Monate nach Hollywood, um aufkommende Tonfilmtechniken zu erlernen.

Von 1922 bis 1934 war er als Kameramann in der Filmindustrie eingesetzt; einzig eine Unterbrechung von 1929 bis 1931, in der er als Toningenieur in Paris tätig war. 1922 war Arthur von Schwertführer am erstmaligen Überflug zweier Ganzmetall-Verkehrsflugzeuge vom Typ JUNKERS F13 über den Großglockner und Großvenediger als Kameramann beteiligt. Die Münchener Zeitung schrieb seinerzeit hierzu den anschaulichen Artikel "Die Alpenstürmer, über Großglockner und Großvenediger im vollbesetzten Verkehrsflugzeug". 1927 drehte Arthur von Schwertführer den Film "König der Mittelstürmer", einen mit Musik untermalten Stummfilm, der den Fußball in bis dahin nie gesehener Form auf die Leinwand brachte. Eine vom Filmmuseum München aufwendig restaurierte einzige Kopie dieses bahnbrechenden Fußballfilmes ist seit 2006 als DVD erhältlich. 1934 war Arthur von Schwertführer als einer von 18 Kameramännern an der Produktion des Reichsparteitagsfilms der NSDAP "Triumph des Willens" eingesetzt, mit Leni Riefenstahl als Regisseurin und Sepp Allgeier als fotografischem Leiter.

Als erklärter Gegner der Nationalsozialisten kam er 1934 mit dem Regime in Konflikt und lehnte es strikt ab, der NSDAP beizutreten. In Folge wurde er mit Berufsverbot belegt und wechselte in die Apparateindustrie. 1934 war er beim Berliner Instrumenten- und Fliegeruhrenhersteller ASKANIA-Werke beschäftigt, wechselte 1935 zur renommierten Kinomaschinenfabrik und Kamerahersteller Eugen Bauer GmbH und war seit 1936 als Leiter der Berliner Niederlassung tätig. 1940 wurde er mit fast fünfzig Jahren erneut in den Armeedienst eingezogen und diente bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges als Major der Luftwaffe, nun jedoch nicht mehr als Pilot.

Nach Kriegsende und seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft eröffnete Arthur von Schwertführer in der Filmstadt Wiesbaden ein eigenes Fotoatelier und begann Dokumentarfilme herzustellen. Unter dem Titel "Welt im Bild" gründete er eine Wochenschau. Er fertigte unzählige Portraitaufnahmen von Persönlichkeiten aus dieser Zeit, insbesondere von Bühnen- und Filmschauspielern wie Heinz Rühmann, Gisela Uhlen, Romy Schneider u.v.a., aber auch von Politikern wie Präsident John F. Kennedy, den er in den USA und in Deutschland fotografierte. Er war als Werbefotograf für unzählige namhafte Firmen eingesetzt. Handwerkszeug waren stets professionelle Kameras von LINHOF, HASSELBLAD und ROLLEIFLEX.
Eines der spektakulärsten Objekte welches Arthur von Schwertführer fotografierte, gleichermaßen einer der bekanntesten Kunstschätze der Welt, war die Büste der Nofretete. Nach dem Zweiten Weltkrieg war diese von den US-Amerikanern zusammen mit zahlreichen weiteren Artefakten zur Kunstsammelstelle Wiesbaden, dem sogenannten "Central Collecting Point" im Landesmuseum Wiesbaden, gebracht worden. Dort hatte Arthur von Schwertführer dann die Gelegenheit die Büste der Nofretete und weitere Kunstschätze zu fotografieren, vermutlich erstmals überhaupt in Farbe.

Als Dr. Walter Heering im April 1949 zum ersten Mal das PHOTOMAGAZIN, eine der ersten Fotozeitschriften Nachkriegsdeutschlands herausbrachte, verwendete man für das Titelbild ein von Arthur von Schwertführer hergestelltes Farbportrait einer jungen Dame. Das Bild trägt den Titel "Der Frühjahrs-Hut" und zeigt dessen Ehefrau, die Filmschauspielerin Erika Raphael (1910-2006). Das bekannteste fotografische Werk des Arthur von Schwertführer, welches ihn sehr bekannt machte, trägt den Titel "Tänzerin" und wurde später auch "Feuervogel" genannt. Diese frühe Farbfotografie stammt von 1953 und zeigt die amerikanische Tänzerin und Sängerin Vickie Henderson. Die Aufnahme wurde nicht nur mit dem ersten Preis der Biennale in Venedig für das beste Bühnenfoto ausgezeichnet, sondern fand auch Eingang im Lexikon DER GROSSE BROCKHAUS von 1956. Der "Feuervogel" wurde in zahlreichen Fotobildbänden abgedruckt. Er gewann Preise auf internationalen- und nationalen Fotoausstellungen. Auf der von L. Fritz Gruber in Köln veranstalteten PHOTOKINA, wurde Arthur von Schwertführer in den Jahren 1951 und 1954 mit Preisen ausgezeichnet. Er erhielt die Plakette von Rio de Janeiro (Weltausstellung für Fotografie), die IRIS in Amsterdam und Antwerpen. Einem Plakat mit dem Farbfoto des nächtlichen Kurhauses Wiesbaden wurde auf der Weltausstellung 1958 in Brüssel ein Ehrenplatz eingeräumt.

1955 gründete Arthur von Schwertführer in Wiesbaden seine Schule für Farbfotografie. Im Verlauf der folgenden Jahre bildete er dort über 1.500 Schüler aus der ganzen Welt in jeweils einwöchigen Kursen aus. Auch die US-Army (US PHOTO CORPS) ließ ihr fotografisch arbeitendes Personal in seiner Colorschule ausbilden. Seit dieser Zeit arbeitete er auch als freier Mitarbeiter der ADOX-Fotowerke Dr. C. Schleussner GmbH. Die Firma Schleussner brachte 1956 einen Color-Negativfilm und 1958 einen Color-Positivfilm auf den Markt. Bei der Entwicklung des Colorfilms führte Arthur von Schwertführer die farbtechnische Beratung mit zahlreichen Testserien durch. Höhepunkt seiner experimentellen Farbfotografie war das im Vortragssaal aufgeführte Experiment der chromogenen Farbentwicklung im Projektor, an dem er seit 1957 tüftelte. Erst 1962 gelang es ihm, dieses Experiment zur Bühnenreife zu bringen. Mit tatkräftiger Unterstützung seiner Ehefrau demonstrierte der Color-Experimentator von Schwertführer sehr spannend vor Publikum die schrittweise Entstehung eines Farbdias von der Aufnahme über die Entwicklung bis hin zum fertigen Bild auf einem speziell angefertigten Leitz-Projektor: "Sie sehen, dass sie nichts sehen ...", erst dann, nach einiger Zeit, erschien vor den Augen des staunenden Publikums auf der Leinwand das farbige Diabild. Dieses Experiment, welches an einen Zaubertrick erinnerte, führte er in zahlreichen Vorträgen im In- und Ausland vor. Eine dänische Zeitung bezeichnete es als "Fantastische Thriller-Nummer", Zauberkünstler beneideten ihn dafür. Seine Prognose aus dieser Zeit: "Der Farbe gehört die Zukunft".

Arthur Edler von Schwertführer, der letzte Adjutant des Kaisers von Österreich, Fliegeroffizier, Alchimist, Magier und Lehrmeister der Fotografie, Pionier und Grandseigneur der Farbfotografie, starb am 13. März 1967 im Alter von 76 Jahren in Wiesbaden.



Menschen
Arthur von Schwertführer verfügte über eine Gabe, die jedem Fotografen nützlich ist - er konnte auf Menschen zugehen. Es gelang ihm in kürzester Zeit das Eis zu brechen und die zu fotografierende Person für sich und sein Vorhaben zu gewinnen, egal ob im Atelier oder auf der Straße.

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Portraits
In seinem Wiesbadener Studio am Hainerweg 12, heute Gustav Freytagstraße 12, fertigte Arthur von Schwertführer zahlreiche Portraits. Für professionelle Portraitaufnahmen kam in der Regel die LINHOF TECHNICA Großformatkamera (9x12) zum Einsatz. Einige der alten Aufnahmen wurden auf Glasnegativen gemacht. Auch hier experimentierte er früh mit Farbfotografie.

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Mode
Ein Großteil seiner fotografischen Aufträge erhielt Arthur von Schwertführer von verschiedenen Modefirmen wie VOBACH. Dabei arbeitete er meist in seinem Wiesbadener Studio, wenn es die Situation erforderte, arbeitete er mit den Modellen aber auch außerhalb des Studios. Zum Einsatz kam auch hier meist die Großformatkamera LINHOF TECHNICA.

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Werbung
Neben Modeaufnahmen wurde Arthur von Schwertführer oft für Werbeaufnahmen unterschiedlichster Art gebucht. Er arbeitete u.a. für DKW Auto Union, Lufthansa, Lebensmittel-hersteller, aber auch für Geschäfte und Betriebe vor Ort.

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Orte
Arthur von Schwertführer war ein umtriebiger Mensch. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Kameramann und Fotograf kam er viel herum. Die Kamera und einige Filme stets im Gepäck.

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Nachtaufnahmen
Als experimentierfreudiger Fotograf fertigte Arthur von Schwertführer auch Nachtaufnahmen, die ihm gut gelangen. Sie wurden im Mittelformat aber auch im Großformat aufgenommen.

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Objekte
Arthur von Schwertführer fertigte auch dokumentatorische Fotografien. Einige dieser Aufnahmen sind Fotografien berühmter Kunstschätze zu denen er Zugang hatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Alliierten in ihren Besatzungszonen Kunstsammelstellen, die sogenannten Collecting Points, eingerichtet. Die Briten in Celle, die Amerikaner in München und Wiesbaden. Viele tausend Kunst- und Kulturgüter aus deutschem Besitz, die in Bergwerken und Salzstöcken versteckt gehalten wurden, fanden nach Kriegsende ihren Weg in diese Sammelstellen. Der CENTRAL COLLECTING POINT WIESBADEN wurde im ehemaligen National Museum Wiesbaden eingerichtet. Direktor war der amerikanische Kunstschutzoffizier Capt. Walter I. Farmer (1911-1997). Auf Initiative von Walter I. Farmer wurde am 12. Mai 1946 im Landesmuseum Wiesbaden eine Ausstellung von Berliner Kunstobjekten organisiert, unter denen sich auch die Büste der Nofretete befand. Bis 1956 war sie insgesamt zehn Jahre lang in Wiesbaden zu sehen. Während dieser Zeit hatte Arthur von Schwertführer Gelegenheit einige der zahlreichen Kunstschätze, darunter auch die Büste der Nofretete zu fotografieren, vermutlich erstmals überhaupt in Farbe.

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Reisen
Zwischen 1962 und 1966 - bereits über 70 Jahre alt, unternahm Arthur von Schwertführer mehrmals Reisen auf den Amerikanischen Kontinent. Er besuchte Montreal und die Niagarafälle, Washington, Florida, New Orleans, Kalifornien und San Francisco, sowie Mexiko. Mit seiner HASSELBLAD 500C Kamera fertigte er eindrucksvolle Farbpositive im Mittelformat auf ADOX- und KODAK-Filmen. Unter den Titeln IMPRESSIONEN AUS AMERIKA,  NEW YORK IM LICHT oder NEW YORK & SAN FRANZISKO - ZWEI STÄDTE ZWEI GEGENSÄTZE, hielt er häufig eindrucksvolle Lichtbildvorträge im In- und Ausland. Von seiner gesamten Amerikaserie ist das NEW YORK PORTFOLIO 1963|64 wohl das Beeindruckendste - 2013 feierte es das 50. Jubiläum. Dessen Bildsprache ist ein ESSAY gewidmet. Heute, nach fünfzig Jahren, haben diese Aufnahmen ihren Charme nicht verloren und stehen als Spätwerk für sich.
Seine letzte große Reise trat Arthur von Schwertführer 1966 nach Mexico an. Sie führte ihn von Mexico City zunächst nach Acapulco und anschließend an die Westküste zu zahlreichen prähistorischen Orten auf Yukatan. Die Reise hatte zum Ziel Werbefotos für das Reiseland Mexico zu machen, um den damals beginnenden Tourismus anzukurbeln. Auch auf dieser Reise kam ausschließlich die HASSELBLAD 500C mit diversen Wechselobjektiven zum Einsatz.

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Fotografenstempel
Arthur von Schwertführer hatte während seiner Laufbahn folgende Fotografen- und Copyrightstempel in Gebrauch.



Theater & Film
Am Filmset fertigte Arthur von Schwertführer zahlreiche Standfotos u.a. für die NOVA-Film GmbH, SCHORCHT-Film, ATLANTIS-Film GmbH und COMEDIA-Film. Die Aufarbeitung dieses Materials ist noch nicht abgeschlossen.

1949: Begegnung mit Werther
1949: Der große Mandarin
1949: Eine große Liebe
1949: Mordprozess Dr. Jordan
1951: Maria Theresia

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Filmografie
ca. 1920: Auf den Spuren der Westgoten
1923: Dr. Sacrobosco, der große Unheimliche

1924: Die Tragödie der Entehrten - Frauen der Nacht
1925: Die Liebe der Bajadere
1926: Unsere Emden
1926/27: Klettermaxe
1927: Der König der Mittelstürmer
1927: Richthofen, der rote Ritter der Luft
1928: Mädchenschicksale
1928: Das letzte Fort
1928: Das Gesetz der schwarzen Berge
1928/29: Fräulein Fähnrich
1929: Die weiße Nacht bzw. Das weiße Paradies
1929: Sprengbagger 1010
1929: Le Meneur De Joies - Die Schleiertänzerin (aka Das nackte Mädchen)
1930: Moritz macht sein Glück

1932: Kreuzer Emden
1933: Non Stop nach Afrika
1933/34: Wir parken wo es uns gefällt
1934/35: Triumph des Willens
1935: Sonne und Schnee über Deutschland

1935/36: Kleine Weltreise durch Berlin
1950: Unser Stahlroß
1953: Einmal kehr' ich wieder - Die Dalmatinische Hochzeit

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Werke des Arthur von Schwertführer in Sammlungen, Museen und Auktionshäusern

Artnet Auctions
JSMA - Jordan Schnitzer Museum of Art, Oregon, USA
Museum Hamburg
Museum Furth im Wald
DPA - Deutsche Presse Agentur
DIF - Deutsches Filminstitut
AGFA PHOTO
Private Sammlungen